Susanna Tamaro – Ein denkendes Herz

Was für ein schönes Cover und ein sehr ansprechender Klappentext -und dann die Ernüchterung.

Susanna Tamaros‘ „Ein denkendes Herz“ wird als Tagebuch beschrieben, das die Augen für die Schönheit der Welt öffnet.

Die erste Hälfte enthält tatsächlich autobiographische Kapitel, die einen kleinen Einblick in die düstere Welt der jungen Susanna Tamaro geben. Allerdings sind die Fragmente so bruchstückhaft und abstrakt, dass man die Geschehnisse nur erahnen kann.

Der zweite Teil handelt dann hauptsächlich vom Glauben. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich selbst bin nicht (mehr) gläubig, kann aber anhand dieser Texte auch keinen Zugang dazu entwickeln oder besser nachvollziehen, warum jemand glaubt. Der ganze Teil ist ziemlich unpersönlich, größtenteils auch nur in der Wir-Form geschrieben, ohne dass dieses Wir definiert wird.

Es mutet eher an, wie eine Gesellschaftskritik, als ein Tagebuch. Es geht nicht mehr um konkrete Geschehnisse oder Tamaros Seelenleben, sondern die Gesellschaft und den Glauben im Allgemeinen. Wobei ich viele der Aussagen nicht unterschreiben oder nachempfinden kann. Stellenweise liest es sich wie ein Gebet, so z. B. „Selig die, die sich den Luxus der Naivität erlauben können. Selig, selig und nochmals selig die, für die Ostern das höchste Fest ist.“

Zwei Punkte vergebe ich für die Sprache, die lyrisch, fast melodramatisch malerisch daherkommt und die ersten Kapitel, die einen Einblick in das Seelenleben eines traurigen Kindes geben.

2/5

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