Tine Høeg – Hunger

Die dänische Autorin Tine Høeg widmet sich in ihrem Roman „Hunger“ dem Thema Kinderwunschbehandlung – ein bislang in der Literatur und Medienlandschaft allenfalls ein Nischenthema.

Die Protagonistin Mia versucht mit ihrem Lebensgefährten Emil mittels Fertilitätsbehandlung und künstlicher Befruchtung ein Kind zu bekommen. Schonungslos nimmt sie uns auf ihrem schmerzhaften, traurigen, fordernden Weg mit. Während Emli schon 2 Kinder hat, die wochenweise bei ihm und Mia wohnen, verspürt Mia den titelgebenden „Hunger“ nach einem eigenen Kind und fühlt sich mit den Behandlungen, die sie über sich ergehen lassen muss, oft ziemlich allein. Bei all der Enttäuschung über negative Schwangerschaftstests, möchte sie zudem gleichzeitig eine gute Stief- oder Bonusmutter für Emils Kinder sein – eine wahre Zerreißprobe.

Tine Høeg ist für ihren skizzenhaften, notizartigen Schreibstil im Tagebuchformat bekannt. Ich habe etwas gebraucht, um mich an diesen zu gewöhnen, bin im Nachhinein aber schwer begeistert, wie nah man sich dadurch der Protagonistin fühlt. Man befindet sich quasi direkt in ihrem Kopf, bekommt das Gedanken- und Gefühlsleben der Figur ohne Filter, absolut ehrlich zu spüren. Auch die eigenen Erfahrungen der Autorin tragen sicher zu diesem authentischen Gefühl bei.

„Hunger“ ist ganz sicher kein Wohlfühlbuch – dafür ist das Thema zu aufwühlend, zu schwer, zu tragisch, aber genau das macht den Roman aus. Er behandelt ein schwieriges Thema offen und ehrlich und wie ich schon geschrieben habe: schonungslos und genau das ist wichtig, um mehr Sensibilität und Verständnis zu schaffen.

Auf Netflix gibt es übrigens eine Verfilmung (Eine Kopenhagener Liebesgeschichte). Ich habe sie noch nicht gesehen, weil ich kein Abo habe, bin aber am überlegen mir dafür mal eins zu holen. Falls ihr es schon gesehen habt, schreibt gerne mal, wie ihr die Umsetzung fandet.

TitelHunger
Autor*inTine Høeg
Übersetzer*inIngrid und Gerd Weinreich
VerlagLiteraturverlag Droschl
ISBN9783990591789
Erscheinungstermin14.02.2025
Seitenzahl400 Seiten

Das Buch gibt’s hier:

Eine kurze Besprechung gibt’s bei:

SWR Kultur

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