Emilia Roig – Why we matter

Heute erscheint Emilia Roigs „Why we matter – Das Ende der Unterdrückung“ im Aufbau-Verlag. Die Politikwissenschaftlerin zeigt darin, wie sich Diskriminierung durch nahezu alle Bevölkerungsschichten zieht und welche Auswirkungen dies hat.

Die Bandbreite der dargestellten Blickwinkel ist absolut erstaunlich. So werden Diskriminierung, Rassismus und Unterdrückung von Frauen, People of Color, Rom*nja- und Sinti*zze, Juden*Jüdinnen, Angehörigen der LGBTQI+-Community etc. aus mehreren Jahrhunderten und in aller Welt aufgezeigt.

Trotz dieser Fülle an verschiedenen Problembereichen wird das Buch nicht unübersichtlich. Und letztendlich teilen alle dasselbe Problem, dass sie nicht dieselben Rechte haben, wie die herrschende Masse, die in vielen Fällen von weißen Männern gebildet wird.

Obwohl ich mich schon seit einiger Zeit mit diesen Problemen auseinandersetze und bereits Einiges zum Thema gelesen habe, konnte ich viele neue Aspekte mitnehmen. Gerade als privilegierte, weiße Mitteleuropärin tritt man selbst immer wieder, oft unbewusst, in Fettnäpfchen. Hier kann umfassende Aufklärung dazu beitragen, Alltagsrassismus und – diskriminierung zu verhindern oder zumindest zu verringern. Dieses Buch leistet hierzu auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag und ich kann es daher jedem ans Herz legen, es zu lesen. Es ist zwar sicher keine ganz leichte Kost, da die Fülle an Informationen erstmal verarbeitet werden will, aber es lässt sich dennoch gut lesen.

Ich gehe nicht in allen Punkten konform mit Roig, aber das ist wohl auch nicht Sinn solcher Bücher. Vielmehr sollen sie zum Nachdenken und zur Diskussion anregen – und das tut dieses Werk sicherlich.

Die Darstellung der Berichterstattung des Mordes an George Floyd habe ich beispielsweise anders wahrgenommen. Für mich waren die deutschen Medien pro Black-Lives-Matter-Bewegung und haben das Thema Polizeigewalt (vor allem in den USA) und zunehmenden Rassismus erstmals der breiten Bevölkerung in Deutschland näher gebracht.

Auch zum Thema Sexarbeit wurde die Situation in Deutschland mit der in Frankreich gleichgesetzt, was so nicht stimmt. Während sie in Deutschland entkriminalisiert wurde, hat Frankreich die Gesetze ähnlich dem schwedischen Modell verschärft.

Das sind aber eher die Ausnahmen. Die genannten Behauptungen werden fast durchweg durch Quellenangaben verifiziert, an einigen Stellen werden auch persönliche oder familiengeschichtliche Ereignisse als Beispiele angeführt.

Im Schlussteil bleibt mir die Autorin zu vage. Wie in vielen anderen Publikationen zu diesem Themenbereich auch, fehlen mir konkrete Handlungsanweisungen und Vorschläge, wie ich selbst etwas zur Verbesserung der Situation und letztendlich der gesamtgesellschaftlichen Änderung beitragen kann. Nichtsdestotrotz lohnt sich das Lesen des Buches für jeden. Der erste Schritt ist ja immer das Wissen um Missstände. Ich kann das Buch uneingeschränkt sowohl Neulingen, als auch bereits eingelesenen Interessierten empfehlen.

Sterne-Wertung: 5

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